RÄDER
klassisch nach Maß
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Mitten in der Fahrradhauptstadt Münster hat sich Stephan Quitmann mit einer kleinen Fahrradmanufaktur einen Kindheitstraum erfüllt.


Der kleine Laden von Stephan Quitmann liegt zentral in der Stadt. Nebenan sind ein Kiosk, eine Bäckerei, eine Schule, ein paar kleine Geschäfte und Restaurants. In der Nähe ist das Theater. Die Straße ist gesäumt von Radfahrwegen. Davon gibt es in Münster sehr viele. Ebenso wie Radfahrer und Fahrräder. Die westfälische Stadt ist schließlich Fahrradhauptstadt.

Klassisch und schlicht
Gut 30 Damen- und Herrenfahrräder stehen im überschaubaren Laden von Stephan Quitmann. Die meisten sind schwarz, mit geraden Rahmenformen und im Design eher zurückhaltend. Der Blick fällt auf ein Damenfahrrad mit breitem Lenker, braunem Ledersattel, schwungvoll gebogenem Rahmen und modern gestalteten Packtaschen in dezentem, grün-weißem Blumenmuster. "Das ist unser Milchkannenrad", sagt Stephan Quitmann. Optisch erinnert es an eine Zeit, in der das Fahrrad sehr zweckmäßig zur Fortbewegung und zum Transport verschiedener Gegenstände verwendet wurde. Zum Beispiel von Milchkannen links und rechts am Lenker. Es ist jedoch technisch und in vielen Details komplett anders ausgestattet als das Fahrrad vor mindestens 80 Jahren: sieben Gänge, Nabendynamo, handgelöteter, leichter Stahlrahmen mit verstärktem Sitzrohr, gefederter Ledersattel, handgenähte Ledergriffe am Lenker, geschwungene Rahmenform für eine gute Federung. Stephan Quitmann hat das "Milchkannenrad" für Damen und Herren selbst entworfen. "Je nach Kundenwunsch wird es einfacher oder aufwendiger ausgestattet." Das Modell heißt übrigens Münster-Rad.
Der Fahrradbauer gestaltet alle Fahrräder nach Kundenwunsch. Maßgenau und individuell. Die Bedürfnisse und Ansprüche des Kunden in puncto Fahrrad und Fahrradfahren werden genau erfragt. Er kombiniert eine klassisch-schlichte, aber nicht nostalgisch wirkende Optik mit moderner Technik. "Sie ermöglicht es, besser zu sitzen, besser zu schalten, besser zu bremsen, besser zu sehen, sicher und gut mit Spaß und Genuss voranzukommen", erläutert Quitmann.

Hochwertig und langlebig
Sein Anspruch: Qualität und Technik sollen hochwertig sein und das Fahrrad langlebig machen. Jedes Fahrrad ist "durchgearbeitet". Alles muss stimmig sein. Bis ins kleinste Detail. Jeder Rahmen ist aus leichtem, hochelastischem Stahl und wird von Hand gelötet. "Alle Fahrräder werden von zwei Rahmenbauern in Ostwestfalen hergestellt." Die Preisspanne reicht von 500 bis über 3000 Euro, je nach Ausstattung.

Liebe zum Fahrrad
"Das, was damals vor gut 80 Jahren modern war, wird heute als klassisch empfunden", spielt er auf die optische Gestaltung seiner Fahrräder an. "Klassisch ist das, was überdauert, was nicht schräg ist und auch in zehn Jahren noch gut aussieht." Klassisch und schlicht – diese Linie verlässt Stephan Quitmann auch dann nicht, wenn er ein Fahrrad in grellem Orange, zartem Grün oder hellem Gelb gestaltet. Schon als Kind begeisterten ihn Fahrräder. Später studierte er Kunst. Seine Liebe zum Fahrrad begleitete ihn weiter. "Ich habe früher alte Fahrräder aufgemöbelt", lacht er und zählt so bekannte Namen auf wie Miele, Dürkopp und Rixe. "Damals bin ich dem Sinn des Fahrradbaus auf die Schliche gekommen." Vor 25 Jahren erfüllte sich Stephan Quitmann in Münster schließlich einen Kindheitstraum. Er machte noch eine Ausbildung als Zweirad-Mechaniker und Betriebswirt, eröffnete einen Fahrradladen mit einer kleinen Werkstatt und spezialisierte sich auf klassisch-schöne Fahrräder. Nebenbei, beruflich und in der Freizeit, hat der 52-Jährige übrigens eine weitere Leidenschaft: Er fährt gerne Fahrrad. Im Jahr sind es locker über 4 000 Kilometer.

 
Landlust (Ausgabe Mai/Juni 2009)
Text: Ulrike van Jüchems























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