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Ein Fahrrad für die Kanzlerin
Angela Merkel fährt auf Stephan Quitmanns „Milchkannenrad" ab
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![]() Münster. Angela Merkel fährt jetzt auf Stephan Quitmanns „Milchkannenrad" ab. Der Fahrradspezialist aus Münster ist stolz. Innerhalb von einer Woche „bastelte" er das Rad für die Bundeskanzlerin zusammen: handgelöteter leichter Stahlrahmen, handgenähte Ledergriffe am Lenker. Auftraggeber war die Landes-CDU. Überreicht wurde das Rad beim Landesparteitag in Münster. Normalerweise arbeitet Stephan Quitmann seine selbst entworfenen Räder nur nach Maß. Aus Lübeck, Moers und Buxtehude kommen Kunden angereist, um sich für ein Rad vermessen zu lassen. „Ein altes Nostalgierad habe ich modern interpretiert." Stephan Quitmann Die Bundeskanzlerin aber sollte überrascht werden, darum recherchierte der 52-jährige Fahrradspezi aus Münster im Internet nach Merkels Maßen. Er sah sich nach einer Testperson auf der Straße um und sprach spontan eine Frau an. „Sie schien etwa 1,64 Meter groß zu sein - wie Angela Merkel." Quitmann lud die Überraschte zu einer Probefahrt mit dem Merkelrad ein. Das in Nachtschichten zusammengebaute Milchkannenrad bestand den Test. Das Rad passt Angela Merkel wie angegossen, freut sich Stephan Quitmann. Als i-Tüfelchen schraubte der Münsteraner einen besonderen Deckel auf die Fahrradklingel. Der Heilige Christopherus wird demnächst die Bundeskanzlerin bei Fahrradtouren begleiten. Zu gern hätte Stephan Quitmann der Bundeskanzlerin bei ihrem Besuch in Münster das Fahrrad persönlich übergeben. Aber dazu, sagt der 52-Jährige, sei einfach keine Zeit gewesen. Er schaffte es gerade noch, Angela Merkel ein Buch übers Fahrradfahren in die Hand zu drücken und „ihr zehn Sekunden die Hand zu schütteln. Das war's". Trotzdem freut sich Stephan Quitmann über solche Aufträge. Der 52-Jährige ist seit 1983 in der Fahrradbranche unterwegs. Damals war er Student an der Kunstakademie, als seine Eltern plötzlich starben. Stephan Quitmann träumte vom eigenen Laden. Bis dahin verging aber noch viel Zeit. Mit einem Freund gründete er zunächst eine fahrende Selbsthilfewerkstatt. Dann eröffneten sie an der Siverdesstraße im Kreuzviertel in einem Gartenhaus den Fahrradhof. Quitmann holte seine Ausbildung als Zweiradmechaniker nach. Später studierte er Betriebswirtschaft - und etablierte seine beiden eigenen Marken Quitmann und Fling. „Sie schien etwa 1,64 Meter groß zu sein - wie Angela Merkel." Stephan Quitmann Der Traum wurde Wirklichkeit. Der Umsatz seines Betriebes, sagt Stephan Quitmann, habe sich innerhalb von drei Jahren verdoppelt. Nicht zuletzt aufgrund der beiden eigenen Fahrradmarken. Grundidee des Milchkannenrades beispielsweise ist das Hollandrad. Ein Jahr dauerte die Entwicklungszeit, so Quitmann. Ganz im Gegensatz zum normalen Hollandrad sei seine Leeze rund fünf Kilogramm leichter, mit mehr Komfort und mehr Technik ausgestattet. Schwarz ist das klassische Rad, mit braunem Sattel und Ledergriffen am Lenker. Stephan Quitmann tüftelt bis ins Detail, kombiniert klassische mit moderner Technik. „Ein altes Nostalgierad habe ich modern interpretiert", sagt Quitmann. Der Rahmen sei eine Antwort aufs Kopfsteinpflaster. Der Rahmen kommt aus einer kleinen Manufaktur in Ostwestfalen, einem Ein-Mann-Betrieb. Auch seine beiden anderen Rahmenbauern sitzen in Ostwestfalen. Stephan Quitmann selber betreibt heute sein Fahrradgeschäft in einem kleinen Ladenlokal, in dem seit vielen Jahren nach Maß gearbeitet wurde. Erst wurden Hemden nach Maß gefertigt, dann Textilien und jetzt halt Fahrräder. Stephan Quitmann liebt das Fahrradfahren. Für ihn sei es Hobby und Beruf. Locker fahre er pro Jahr rund 4000 Kilometer. |
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Westfälische Nachrichten 26. März 2010 Text: Gabriele Hillmoth |
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